Arbeitssieg mit Wermutstropfen bei bestem Wetter: VfL ringt MTV Gamsen mit 2:1 nieder

Der nächste Dreier ist eingefahren – aber diesmal war es ein hartes Stück Arbeit. Beim 2:1-Heimsieg gegen den MTV Gamsen entwickelte sich auf dem Ernst-Hiestermann-Platz ein intensives, zähes Spiel mit vielen Zweikämpfen, vielen Unterbrechungen – und Chancen auf beiden Seiten. Fußballerisch nicht immer sauber, aber genau die Art Spiel, die du erstmal ziehen musst.

Die äußeren Bedingungen? Überragend. 22 Grad, volle Terrasse, richtig gute Stimmung – ein würdiger 1.-Mai-Spieltag.


 

Personelle Situation: Improvisation gefragt

Kurzfristig musste der VfL auf Jonah Deinert und Jannis Meyer verzichten. Dafür rückten mit Justin Thomsen und Philipp Thomsen zwei Kräfte aus der zweiten Herren in den Kader – und beide lieferten nach ihrer Einwechslung direkt ab. Starkes Spiel, wichtige Impulse. An dieser Stelle auch nochmal ein klares Dankeschön – genau dafür ist ein Kader da.

Durch die Umstellungen wurde auch taktisch angepasst: Doppelspitze mit Max Laschinsky, dazu Justin Gades über den rechten Flügel. Viele bekannte Achsen blieben, aber klar war: Das wird heute Arbeit.


 

Erste Halbzeit: Intensiv, aber ohne Treffer

Die Partie begann direkt mit einem Weckruf: Nach einem Ballverlust musste Chris Neuschulz früh raus und klärte stark im Eins-gegen-eins.

Der VfL kam dann besser rein. Tim Krebiel hatte die erste Abschlusschance, der Ball war nicht perfekt platziert, aber der Gästekeeper wirkte unsicher.

Mit zunehmender Spielzeit wurde es hitziger. Viele Zweikämpfe, viel Gerede. Besonders auffällig: die Szene um Gamsens Nummer 20. Immer wieder kleine Nicklichkeiten, dann das Revanchefoul von Marius Schucht, Gelb – und der Gegenspieler mit kaputtem Schuh raus, sprintet in die Kabine, wird zunächst ausgewechselt… und kurze Zeit später wieder eingewechselt. Hat gezeigt, welchen Stellenwert er bei Gamsen hat.

Kurz vor der Pause dann zwei richtig gute VfL-Szenen:
Erst setzt sich Joel Reinecke stark durch, zieht mehrere Gegenspieler auf sich und legt perfekt auf Justin Thomsen ab. Dessen Abschluss ist stark, aber der Keeper pariert.
Im direkten Gegenzug wird es auch hinten gefährlich, doch Neuschulz bleibt aufmerksam und hält die Null.


 

Zweite Halbzeit: Rückschlag, Reaktion – und die Entscheidung

Nach der Pause blieb es ein offenes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Gamsen suchte immer wieder schnell die Flügel, der VfL setzte über links zunehmend Akzente.

Dann der Dämpfer:

60. Minute – 0:1:
Gamsen kommt über die linke Seite, klassischer Move ihres Flügelspielers: nach innen ziehen, Abschluss suchen – trocken, flach, drin. Ein echter Hallo-Wach-Moment für den VfL.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der VfL bereits umgestellt – und genau diese Umstellung sollte sich auszahlen:
Malte Gercke beackerte die linke Seite fortan komplett. Hinten kompromisslos, vorne immer wieder mit Tempo und Dribblings, ständig anspielbar – einer der Aktivposten in dieser Phase.

Und der VfL antwortete – mit Druck.

Nach einer Ecke von André Haven entwickelte sich eine echte Druckphase:
Erst klärt der Torwart, dann rettet der Gamsener Kapitän per Kopf auf der Linie gegen Niclas, der sich stark durchgetankt hatte. Der Ball bleibt heiß, fällt nochmal in den Strafraum – und Maik Szillat kommt aus kürzester Distanz zum Kopfball, aber erneut ist der Keeper zur Stelle.

67. Minute – 1:1:
Dann ist er endlich drin. Und wie: Wieder kommt der Ball über links – diesmal über den nach vorne beorderten Malte Gercke, der die Seite rauf und runter beackert hat. Die Hereingabe wird verlängert und Philipp Schulze steht genau da, wo ein Stürmer stehen muss – und hämmert das Ding rein. Ausgleich. Dosenöffner.

Der VfL bleibt dran.

74. Minute – 2:1:
Ein Angriff wird nicht sauber geklärt, Justin Gades spielt den Ball auf Joel Reinecke – nicht ganz optimal, aber Joel macht es stark, nimmt den Ball perfekt unter Kontrolle und zieht aus rund 20 Metern ab. Flach, wuchtig, präzise – keine Chance für den Keeper. Spiel gedreht.

In der Folge hatte der VfL weitere Möglichkeiten:
Malte Gercke tanzt auf rechts (!) mehrere Gegenspieler aus, geht bis zur Grundlinie, legt zurück – doch der Abschluss wird im letzten Moment geblockt.
Kurz darauf wieder Gercke, diesmal über links, perfekte Flanke auf Krebiel, der völlig frei zum Kopfball kommt – aber knapp neben den Winkel setzt. Das Ding kann auch drin sein.


 

Schlussphase: Zittern bis zum Ende

Die Partie blieb eng. Gamsen warf nochmal alles rein.

In der Schlussminute wird es richtig brenzlig:
Ein Fernschuss klatscht nach vorne ab, der Gamsener Kapitän setzt nach und stochert den Ball ins Netz – doch der Schiedsrichter entscheidet sofort auf Abseits. Durchatmen.

Dann ist Schluss.


 

MVP-„Schulle“ – vom Rückkehrer zum Unterschiedsspieler

Wenn man dieses Spiel auf eine Person runterbrechen will, dann kommt man an Philipp „Schulle“ Schulze nicht vorbei. Und dabei geht es nicht nur um sein Tor zum 1:1 – es geht um den Weg dahin.

Vor ein paar Jahren war die Torwartposition bei uns alles andere als klar geregelt. Es wurde viel improvisiert, verschiedene Lösungen ausprobiert, irgendwie hat man sich durchgeschleppt. Und genau in dieser Phase kam Schulle zurück – nach einer längeren Fußballpause. Nicht direkt in die Erste, sondern bewusst über die zweite Herren, um wieder reinzukommen, Spielpraxis zu sammeln, ein Gefühl zu entwickeln.

Sein erstes richtiges Ausrufezeichen setzte er dann bei einem Hallenturnier in Wesendorf – sein erster Pflichtauftritt nach der Pause. Und was für einer: Paraden am Fließband, stark auf der Linie, präsent in jeder Aktion. Da war relativ schnell klar, dass das nicht lange unentdeckt bleiben würde.

Der Schritt in die erste Mannschaft folgte – logisch.
Und trotzdem: In Knesebeck gab es schon immer gute Torhüter.

Mit Chris Neuschulz kam im November 2023 ein erfahrener Keeper dazu, Landesliga-Niveau, genau im richtigen Alter. Und das Besondere: Die beiden kannten sich gut, waren auf einer Wellenlänge. Kein klassischer Konkurrenzkampf, sondern eher ein gegenseitiges Pushen. Schulle hat enorm davon profitiert – im Training, im Spiel, im gesamten Auftreten.

Man hat es gesehen:
Er wurde lauter, präsenter, sicherer.
Auf der Linie sowieso stark – aber auch im Gesamtpaket nochmal einen Schritt nach vorne gemacht.

Und trotzdem ist da dieser klare Anspruch:
Er will spielen. Im Tor.

Dass er bei uns immer wieder auch auf dem Feld ausgeholfen hat – meistens über den rechten Flügel – und dabei sogar Tore und Vorlagen gesammelt hat, zeigt zwar seine Qualität, ist aber eigentlich nur ein Beleg dafür, wie vielseitig er ist. Seine Position ist zwischen den Pfosten.

Mit seinem Treffer gegen Gamsen hat er das Spiel geöffnet, den Moment geschaffen, in dem die Partie kippt. Genau solche Aktionen brauchst du in engen Spielen.

Im Sommer wird er diesen nächsten Schritt gehen und sich dem SV Hankensbüttel anschließen – Bezirksliga, mehr Perspektive auf Einsatzzeit im Tor. Für ihn absolut nachvollziehbar und der richtige Weg.

Für uns?
Ganz klar ein Verlust. Sportlich und menschlich.

Aber eines ist genauso klar:
Die Tür in Knesebeck bleibt für ihn immer offen. Und das ist nicht einfach nur eine Floskel – das lebt dieser Verein.

Oder wie Schulle selbst sagt:
Wenn Chris Neuschulz irgendwann zu alt wird, kommt er gerne zurück.

Und ganz ehrlich:
Man würde ihn mit offenen Armen empfangen



 

Einordnung: Serie spricht für sich

Ein Blick auf die letzten Wochen zeigt, was hier gerade passiert:
Im Jahr 2026 hat der VfL bislang 11 Spiele absolviert – mit nur einer Niederlage, einem Unentschieden und dem Rest Siegen.

Noch deutlicher wird es im aktuellen Lauf:
Die letzten zehn Spiele wurden nicht verloren – bei nur einem Unentschieden.

Das ist stark. Richtig stark.

Durch den Sieg gegen Gamsen grüßt der VfL zwischenzeitlich sogar wieder von der Tabellenspitze – allerdings mit mindestens einem Spiel mehr als die direkte Konkurrenz. Bedeutet auch: Oben bleibt es extrem eng, jeder Punkt zählt.

Die Konkurrenz schläft nicht. Aber mit diesem Lauf ist klar:
Wenn der VfL bei sich bleibt, werden auch in den kommenden Wochen noch einige Siege dazukommen.


 

Ausblick: Sonntag geht’s weiter

Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht:
Bereits am Sonntag wartet das nächste Heimspiel gegen den SV Grün-Weiß Calberlah.

Mögliche Rückkehrer: Jonah Deinert, Jannis Meyer, vielleicht auch Nils Mohr.
Sicher fehlen wird Marius Schucht (5. Gelbe).

Anpfiff ist um 15 Uhr auf dem Ernst-Hiestermann-Platz, Schiedsrichter ist Marcel Brümmer. Wetter: wieder über 25 Grad.


 

Zum Schluss

Die Stimmung nach Abpfiff hat gezeigt, was möglich ist.
Volle Terrasse, Mannschaft und Fans gemeinsam – genau das bringt Energie.

Genau so weitermachen. Sonntag wieder da sein.


 

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Veröffentlichung

Sa, 02. Mai 2026

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